atb #77 | Pourparler

Ines Lechleitner, Hans Jörg Mayer

Vernissage mit Verkostung:
Freitag 6. März 2020, ab 19 Uhr

Ausstellung: 7. März – 5. April 2020

Finissage mit fermentierten Protagonisten:
Sonntag 5. April 2020, 16 bis 20 Uhr

Sie ist Eine, die Obst und Gemüse fermentiert, fotografiert und auf Video festhält. Er ist Einer, der zeichnet und malt und in Formen gießt.
Sie findet Kulissen und Landschaften. Er weiße Leinwände und blaue Bohnen. Sie bildet “Body Gestures“ und starke Frauen ab. Er Frau-Fuchs-Mischwesen oder Aussagen wie „Life is life“ oder „Alles muss man selber machen“.
Sie geht ans Eingemachte und fängt das Rheinrauschen in einem „Flussglas“ ein. Er bringt eine sich drehende Discokugel mit dem Pinsel zum Stillstand. Sie bringt “Scales“ auf Papier-Maché. Er dafür Hasen auf Samt. Sie lotet die „Grenzen der Musik“ aus. Er frickelt an den Rändern der Kunstgeschichte.
Sie arbeitet ortsspezifisch. Er so gut wie nie.
Und dann treffen sie sich doch. Und reden. Und dann beschließen sie über ihrer Kunst, zusam- men Kunst zu machen. Pourparler.
Und während sie so reden über Zitronen und Zwiebeln und Zwetschgen kommt etwas dazwischen, zwischen sie. Es fängt an zu zischen und ist da: das Dazwischen, das Zwischenmenschliche, und zwitschert was von Zwischenräumen. In Zwischentönen. Und das macht beide neugierig.
Für sie ist es, als würde sie auf dem Markt Zutaten auswählen. Da liegen seine neben ihren, und sie greift beherzt zu. Ganz intuitiv. Er sammelt hektisch. Denkt an Mousse, weniger an Muße. After the butcher tragen sie ihre Zutaten hin. Rezeptlos.
Es bleibt ein Spiel und an der Oberfläche, als sie sich zusammenwürfeln, alles in Würfel teilen und in der alten Fleischerei verwurschteln. Das Werk des anderen wird zum eigenen. Und Teile davon ergeben ein neues Ganzes. Gespannt liegen sie auf der Lauer und beobachten das. Sie lassen die Zutaten machen. Ohne zu hinterfragen, was da (vor sich) geht.
Aber drüber reden kann man ja mal. Pourparler. Reden im Schwebezustand.
Sie ist Ines Lechleitner und er ist Hans-Jörg Mayer.
Ihre gemeinsame Ausstellung läuft vom 7. März bis 5. April 2020.
Text von Nele Meissner

Ines Lechleitner (*1978 in Wien) lebt in Berlin. Als interdisziplinär arbeitende Künstlerin, Fotografin und Köchin verbindet sie in ihren Installationen, Performances und Künstlerbüchern Medien wie Fotografie, Zeichnung, Skulptur, Ton, Film, Kochen und Duft. Sie recherchiert zur nonverbalen Kommunikation und entwirft Situationen des Dialogs mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen. Sie war Forschende an der Jan Van Eyck Academie in Maastricht, studierte am Ecole Supérieure des Beaux-Arts in Paris, am NSCAD-College for Art and Design in Halifax sowie am San Francisco Art Institute. www.ineslechleitner.com

Hans-Jörg Mayer (* 1955 in Singen) lebt in Berlin. Hans-Jörg Mayer wird vertreten von den Galerien Nagel Draxler, Berlin / Köln, Christine Mayer, München, der Gabi Senn Galerie, Wien, von Samuelis Baumgarte, Bielefeld, und M. LeBlanc, Chicago. Arbeiten befinden sich u.a. im Besitz des Museums Ludwig in Köln und des mumok in Wien, der Sammlung Grässlin in St. Georgen, der Sammlung Brandhorst in München, der Pat and Juan Vergez Collection in Buenos Aires.

Mit freundlicher Unterstützung der: