atb #93 – DAS ENDE DES ATOMSTROM-ZEITALTERS?

Vebjørg Hagene Thoe und Stephan Mörsch

Künstlerische Überlegungen zu den komplexen Realitäten der nuklearen Präsenz, SHARING AS CARING No7*, kuratiert von Miya Yoshida

Ausstellung: 19.11.2022 –15.1.2023

Performance Lecture: 10.12.2022 und 15.1.2023, jeweils ab 16 Uhr Stephan Mörsch und Miya Yoshida

Geöffnet nach Voranmeldung:
0178 3298 106 oder mailto@after-the-butcher.de

*Sharing as Caring ist ein Projekt, das die aktuellen Bedingungen der nuklearen Präsenz in planetarischer Perspektive reflektiert. Das Projekt begann 2012 mit einer Reihe von kleinformatigen Ausstellungen. Es erforscht die politischen, wirtschaftlichen, psychologischen und persönlichen Verlangen, die mit der nuklearen Präsenz verbunden sind. https://miyayoshida.com/wp-content/uploads/2017/08/HDKV_SAC-Zeitung_Screen.pdf

Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht: Vebjørg Hagene Thoe (li und re), Stephan Moersch (Arbeit auf der Wand)
Ausstellungsansicht: Vebjørg Hagene Thoe (Bildteppich), Stephan Moersch (li. und re. kl. Arbeiten)
Ausstellungsansicht: Stephan Moersch
Ausstellungsansicht: Stephan Moersch
Ausstellungsansicht: Vebjørg Hagene Thoe
Ausstellungsansicht: Stephan Moersch

atb#90 – String Figures

atb#90 – String Figures

Jamila Barakat, Mengna Tan, Eva Ďurovec und Nikita Kadan

Ausstellungseröffnung: Freitag, 1. April ab 19 Uhr

Ausstellung 2. April – 15. Mai 2022

Finissage: Sonntag, 15. Mai – 15-18 Uhr

geöffnet nach vorheriger Anmeldung: mailto@after-the-butcher.de oder +49 178 3298 106 
30. April, 18 Uhr: Book Launch „New Mind Mapping Forms“ von und mit Eva Ďurovec
In den Ausstellungsräumen bitten wir Abstand zu halten und Mund- Nasenschutzmasken zu tragen. 

After the Butcher, Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen, freut sich, seine nächste Ausstellung „String Figures“ mit den Künstlerinnen Jamila Barakat, Mengna Tan, Eva Durovec und Nikita Kadan zu präsentieren.

In Donna Haraways Staying With The Trouble ist eine Figur allgegenwärtig: SF. Diese Figuration scheint mehr zu sein als nur eine Abkürzung. Sie scheint ein Subjekt zu sein, das verschiedene Möglichkeiten und Methoden, Gedankenexperimente und gemeinsame Praktiken des Austauschs und der Interaktion eröffnet. Medienübergreifende und multidisziplinäre Praktiken, die manchmal funktionieren, manchmal scheitern, aktiv sind und manchmal stillstehen.
Wie Fadenfiguren schlagen sie den Teilnehmer:innen Muster vor, die sie auf einer verletzlichen und verwundeten Erde irgendwie beleben können, und setzen sie um. Haraway beschreibt die Figur mit den Buchstaben SF.
SF kann vieles sein: Science Fiction, spekulative Fabulation, String-Figuren, spekulativer Feminismus, Science-Fact, so far…

„Ich denke an SF und Fadenfiguren in einem dreifachen Sinne von Figuration. Erstens versuche ich, die Fasern in verklumpten und dichten Ereignissen und Praktiken herauszuziehen und den Fäden zu folgen, wohin sie führen, um sie aufzuspüren und ihre Verwicklungen und Muster zu finden, die entscheidend dafür sind, dass man an realen und besonderen Orten und Zeiten an den Knackpunkten bleibt.“

Durch das Spielen mit Fadenfiguren entstehen neue Muster oder Bilder, die neue Verstrickungen und Zusammenhänge offenbaren.In der Ausstellung „String figures“ sind die Künstler:innen der SF auf der Spur, indem sie Themen und Kontexte des spekulativen Feminismus, der spekulativen Fabulierung, der Science Fiction und so weiter (and so far) bearbeiten, scheitern und erforschen…
Ein Dialog untereinander beginnt, Verbindungen zueinander entstehen.
Während wir die Ausstellung vorbereiten, hat das russische Regime unter Putin seinen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, einen weiteren Faden aufzugreifen: Wir haben den ukrainischen Künstler Nikita Kadan eingeladen, an der Ausstellung teilzunehmen. Kadan lebt in Kiew und muss sich in seinem Heimatland vor den russischen Bombardements schützen. Wir freuen uns, zwei seiner beeindruckenden Kohlezeichnungen aus der Serie „Minsk Masks“ zeigen zu können*). Insofern kann SF auch als ein Zeichen gegen den Krieg gelesen werden: stay friends oder seid friedlich statt Strike Forces.

*) Nikita Kadan schreibt: „Diese ‚Masken‘ habe ich in Ornamenten an der Decke der Minska-Station der Kiewer Metro gefunden, als ich sechs Jahre alt war. Sie waren wirklich beängstigend, und ich hatte das Gefühl, dass ich immer wieder neue finden kann. Die ornamentale Komposition „Baum des Lebens“, die auf belarussischen Volksornamenten basiert, wurde von den Künstlern Stepan und Vasyl Khymochka 1982, dem Jahr meiner Geburt, geschaffen. Viel später fand ich heraus, dass Belarus historisch gesehen mit einer Partisanenbewegung in Verbindung gebracht wurde – diese Assoziationen können den getarnten Gesichtern, die sich zwischen den Blumenmotiven verbergen, eine neue Bedeutung verleihen.“ Diese Zeichnungen sind insofern sehr aktuell, dass U-Bahn-Stationen wie die Minska-Station in Kiew bekanntlich im Moment den Menschen als Schutz vor dem Beschuss und der Bombardierung dienen…

http://www.mirmetro.net/kyiv/cruise/02/11_minska

atb #89 | Quirin Bäumler, Isabelle Fein und Selou Sowe

Eröffnung: Freitag, 18. Februar ab 19 Uhr 

Ausstellung: 19. Februar – 27. März 2022

Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Anmeldung bitte bei: mailto@after-the-butcher.de oder +49(0)178 329 81 06. Bitte beachten Sie, dass Sie die Ausstellungsräume nur mit einem medizinischen Mund/Nasenschutz betreten dürfen.

Zur Ausstellung:

Quirin Bäumler, Isabelle Fein und Selou Sowe

18. Februar bis 27. März 2022 bei after the butcher

Alles ist miteinander verbunden. Vor einiger Zeit hätten wir vielleicht, in verrenkter Yogapose ein- und ausatmend, die Augen bei diesem Satz leicht entnervt verdreht. Spätestens in den vergangenen zwei Jahren wurde uns jene Weisheit allerdings bitter vor Augen geführt. Wie beeinflussen sich Mensch, Natur und Technik und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Makro- und Mikrokosmen der Welt? In dieser Gruppenausstellung betrachten wir jenes Dreieck aus verschiedenen Blickachsen, fahren mit dem Zoom in kleine, flüchtige Beziehungen und nutzen den Weitwinkel um die Macht der Globalisierung zu begreifen. Die Frage, auf welche Weise das einzelne Subjekt diese Verbindungen beeinflusst, materialisiert sich in den drei künstlerischen Positionen als Wechselspiel aus Kontrolle und Zufall. 

Beginnen wir im Mikrokosmos: Isabelle Feins Malereien und Skulpturen untersuchen kurze Momente und Konstellationen, die ihr entweder zufällig von außen, etwa durch gefundene Fotos, zugetragen werden, oder die sie aus ihrem Innern schöpft. Mal symbolistisch, mal surreal humorvoll tauchen ihre Figuren und Tiere aus den dünnen Schichten pastelliger Farbtöne vor uns auf und kommunizieren mit uns. Stilleben mit Pinsel, Zeitung und Farbbechern zeichnen die Arbeit als Künstlerin nach: es ist eine einsame, aber auch meditative Tätigkeit, in der Abschweifungen aus dem Alltag gewollt sind. 

Feins Kompositionen tragen etwas Geborgenes in sich, das wir auch in Quirin Bäumlers Skulpturen entdecken können. Die drei Reliefs aus Hartgips zeigen einsam verträumte Figuren, Tiere, oder auch ein Sternenfirmament. Wie Bildschirmmonitore geben sie einen Ausschnitt, ein Standbild aus dem Leben wieder, das von Bäumler verfremdet und fixiert wurde. Während hier das Material in langer Arbeit gegossen, geformt und abgetragen wurde, entstehen seine Zeichnungen intuitiv, als Psychogramm des Moments. Getragen von Motiven um Tod und Trauer sehen wir die Spuren zweier tragischer Pandemiejahre.

Weg vom Menschen, hin zur Maschine. Selou Sowes Skulpturen schimmern zwischen technischem Fortschritt und industriellem Verfall. Es sind Objekte, die kaum zuzuordnen sind: Haben wir es hier mit etwas Organischem oder Anorganischem zu tun? Ist dieses Ding noch von dieser Welt oder aus dem All gefallen? Mit einem Blick auf globale Zusammenhänge und informatische Errungenschaften, zeigt Sowe in seiner Videoarbeit Ähnlichkeiten von menschengemachten Systemen zu natürlichen Strukturen auf, die mit dem Voranschreiten der weltweiten Vernetzung deutlicher werden. In Found-Footage-Bildern, überlagert mit eigenen 3-D-Animationen, wirft eine künstliche Voice-Over-Stimme die Frage auf, ob der Niedergang der destruktiven Machtgefüge in einer vermeintlich dezentralisierten Welt unsere Rettung bedeuten würde. 

Diese Gruppenausstellung ist der erste Teil einer längerfristigen Kooperation von After the Butcher und dem jungen Künstler:innenkollektiv Interspace Collective

Zu Interspace Collective gehören: Isra Abdou, Jamila Barakat, Frank Jimin Hopp, Heiko-Thandeka Ncube, Selou Sowe, Mengna Tan, Laura Suryani Thedja und Alungoo Xatan.

Text: Nadja Abt


NB: after the butcher unterstützt ausdrücklich den Offenen Brief

Wem gehört die Öffentlichkeit? – zur sog. „Kunsthalle Berlin“ in Tempelhof

den ihr hier unterzeichnen könnt: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLScODqiG38AtCQt3BhOJim7qVGzDNJyYmrXAvbGFktu5W7uCSA/viewform