Occupy Vorraum!
Ein Gespräch mit Michael Jäger (Autor und Journalist, Mitbegründer der Wochenzeitung der Freitag) im Rahmen der Finissage der aktuellen Ausstellung
am Sonntag, 22. Februar 2025 ab 17 Uhr
geöffnet von 16 Uhr bis 19 Uhr
Wir haben Michael Jäger aufgrund seines Artikels über Techfaschismus und Dark Enlightment (siehe Anhang) von Dezember ’25 in der Wochenzeitung der Freitag zu einem Gespräch eingeladen. Er ist Politologe, Publizist und Redakteur des Freitag seit der Gründung. Wir möchten mit ihm darüber reden, was uns in der Ausstellung Vorraum von titre provisoire (Cathleen Schuster und Marcel Dickhage) und Sim Oerthel interessierte. Wir sehen darin einen ‘Tanz‘ zwischen den drei Figuren von Sim und den Darsteller*innen im Los Angeles-Film von Cathleen und Marcel, die alle in gewisser Weise politische „Vorräume” bespielen. Sie machen anschaulich, dass es eine Kontinuität (und keinen Gegensatz) gibt zwischen der Liberalität von Marktwirtschaft und dem gegenwärtig sich entfaltenden Faschismus. Bei Sim Oerthel wird dieser Tanz von deformierten und wieder zusammengesetzten Körperteilen von Schaufensterpuppen getanzt. Sie sind beklebt mit Batterien, Kronkorken und faschistischem History Trash. Im Film von Cathleen und Marcell ‘tanzen’ und interagieren Figuren eines neoliberalen Kulturarbeiter*innen Prekariats, das sich an den Status Quo klammert in zunehmend überhitzten Weltstädten und Kriegsszenarien. Es sind Choreografien, die etwas Gemeinsames haben, das wir sowohl Erstarrung, als auch Entfesselung nennen könnten… In unserem Gespräch möchten wir diesen Entwicklungen nachgehen und überlegen, welche emanzipatorischen Handlungsmöglichkeiten und Praxen sich dagegen eröffnen.
organisiert von Alice Creischer und Andreas Siekmann.

Eröffnung: 16. Januar 2026, ab 19 Uhr
Ausstellung: 17. Januar – 23. Februar 2026
geöffnet nach Voranmeldung: 0178 3298106 oder mailto@after-the-butcher.de
Vorraum
Der Begriff „Vorraum / vorpolitischer Raum“ ist jetzt ein Parteienbegriff geworden. Er unterscheidet zwischen einer Gesellschaft und ihren politischen Akteuren. Diese Unterscheidung ermöglicht es, rechte Parteien von ihrer Meute zu trennen. Im Vorraum lassen sich Symptome als Ursachen verleumden und Sündenböcke daraus machen, NS Symbole zeigen, Horst Wessel Lieder singen, Leute bedrohen oder Foren zumüllen. Wenn Vorraum aber eine allmähliche Veränderung der gesellschaftliche Subjektivität bedeutet, dann könnte auch der Innenraum eines PKWs an einem sonnigen Morgen in Los Angeles ein Vorraum sein, in dem Leute sich über die Unmöglichkeit unterhalten, dass alle Menschen auf der Welt jeden Tag duschen können. Von dort aus müssten wir dann beginnen „Vorraum“ als einen ununterbrochenen Bogen zu denken bis zu den Lipsticktraces der Titelblätter, Straßenparolen und Kriegsdevotionalien.
titre provisoire, Cathleen Schuster und Marcel Dickhage zeigen den Film `A cold case of happiness´ (34 min), Sim Oerthel zeigt mehrere Fragmentfiguren, die miteinander in Beziehung stehen.
Cathleen Schuster und Marcel Dickhage arbeiten ausgehend von recherchebasierter Forschung mit einem konzeptionellen Ansatz in zeitbasierten Medien, mit Archiven und Text/Bild bezogen. Sie arbeiten kollaborativ unter dem Namen titre provisoire zusammen.
Sim Oerthel, geboren 1997 in Nürnberg, lebt seit 2020 in Wien und studiert dort an der Akademie der bildenden Künste.
Die Ausstellung wird organisiert von Alice Creischer und Andreas Siekmann.

